Die Sache mit den Nutzungsrechten

Als freischaffender Künstler kommt man früher oder später an den Punkt, an dem man etwas - meiner Empfindung nach seltsam anmutendes - tun muss wie Lizenzen zu bepreisen. Dabei unterscheidet das deutsche Urheberrecht (§31 UrhG) zwischen "einfache[m] oder ausschließliche[m] Recht". Aber was bedeutet das und wie kann man so etwas überhaupt berechnen?

Warum überhaupt Nutzungsrechte bepreisen?

In den Anfängen meiner künstlerischen Selbstständigkeit war das ein Thema, das mich durchweg interessiert hat. Es ging immerhin auch darum, seriöse Angebote für Kunden schreiben zu können, auf denen tolle Zahlen und Formulierungen wie "Nutzungsrechte" stehen würden. Aber seriös zu wirken war nicht meine einzige Motivation. Natürlich gab es auch den finanziellen Aspekt. Der Aspekt, der übrigens ein Thema für sich ist: denn war ein Angebot zu günstig, nahm man mich nicht ernst, war es zu teuer, sprang man ab. Ggf. schreibe ich dazu auch noch einmal einen separaten Post.

Was legitimiert die Berechnung von Nutzungsrechten denn sonst noch? Ich fand einen Blogpost, der von einer "zweiten Leistung", die vergütet werden sollte, schreibt (vgl. sevdesk.de). Diese Ansicht finde ich persönlich äußerst unlogisch und intransparent. Als Künstler habe ich durchaus einen Arbeistaufwand, der honoriert werden sollte - keine Frage. Das bloße Ausstellen von Nutzungsrechten hingegen stellt letztendlich keinen Mehraufwand bzgl. Arbeitszeit dar. Demnach sehe ich hier keine "zweite Leistung". Es ist zudem intransparent, da absolut nicht ersichtlich für den Kunden ist, was konkret hinter der Zahl steckt. Das wird ggf. auch nicht viel transparenter, selbst wenn man mit einer fundierteren Berechnung arbeitet (mehr dazu gleich) - dabei wäre die Kommunikation zum Kunden entscheidend.

Ich finde, dass eine Legitimierung von Nutzungsrechten vielmehr im wirtschaftlichen Mehrwert für die jeweilige nutzende Instanz besteht. Ich als Künstler kann ein Musikstück z.B. auf Produktionsmusik-Seiten verkaufen und ein bereits produziertes Stück somit monetarisieren: und zwar für eine Wiederverwendung von anderen Kreativschaffenden. Ein Käufer (direkt im Auftrag mit mir oder über eine solche Seite) kann hingegen meine Musik nutzen, um mit z.B. einem eigenen Werbespot für ein Produkt zu werben und somit einen wirtschaftlichen Gewinn anzustreben. Beide wirtschaftlichen Mehrwerte stecken, meines Erachtens, letztendlich in der Zahlung der Nutzungslizenz.

Und wie berechnet man Nutzungsrechte?

Wie so eine Zahl nun konkret zustande kommt, war früher - und ist heute irgendwie auch - fast unmöglich. Das einzige, das ich damals fand und auch heute noch finde ist die Berechnung durch Faktoren (auch hier wieder vgl. mit sevdesk.de). Das basiert allerdings durchweg auf Kunst im Bereich Grafik und Design. Da wird dann eine Tabelle angeführt, die man abarbeitet und sich einen Faktor zusammenstellt, der von Nutzungsart, -zeitraum, -typ, etc. abhängt. Diesen Faktor nutzt man dann als Multiplikator der für das Projekt getätigten Arbeitszeit und vergütet diese gemäß des eigenen Stundenlohns zusätzlich als Preis für die Nutzungsrechte.

Meine knallharte Meinung dazu: total intransparenter und fiktiver Irrsinn. Ich gebe zu, dass ich nicht noch viel mehr recherchiert habe. Ggf. gibt es ja tatsächlich so etwas wie eine mathematische Grundlage für eine solche Berechnung. Und ggf. basiert die auf realen Zahlen und Erfahrungen etc. - ich glaube das allerdings nicht. Ich glaube viel mehr, dass sich hier irgendwelche Leute irgendwelche Zahlen ausgedacht haben, die so funktionieren, dass der Preis für Nutzungsrechte irgendwie solide aussehen könnte - was auch immer das wiederum bedeuten könnte.

Ich versuche hier einen anderen Ansatz anzustreben: Da ich schon seit vielen Jahren Musik von mir über Lizenzarchive verkaufe und über alle Einnahmen und Werke genauestens Buch führe, habe ich ganz konkrete Zahlen. Zahlen, die mir zeigen, welche Stücke mit welcher Laufzeit in welchem Zeitraum wie viel an Lizenzeinnahmen gebracht haben. Dadurch lassen sich ganz konkrete Zahlen errechnen. Z.B. kann ich meine Bestseller nehmen, die Lizenzeinnahmen durch die Jahre teilen, die sie Geld eingebracht haben, und erhalte so etwas wie eine Jahrespauschale. Entweder berechne ich das pro Sekunde oder sogar pro Titel. Exklusiver Einblick in meinen momentanen Status: Stücke bis ca. 20 Sekunden Laufzeit betrachte ich als Logo / Sound und berechne hier pro Sekunde Laufzeit. Stücke, die länger gehen, berechne ich pauschal pro Jahr. Warum? Weil dann die Preise nicht so extrem voneinander abweichen - sonst müsste man unverhältnismäßig viel mehr für ein Musikstück zahlen.

Wie war das auch gleich mit non-exklusiv und exklusiv? Das eben genannte Beispiel führe ich für Kosten von Exklusivrechten an. Und zwar mit folgender Begründung: verkaufe ich exklusive Nutzungsrechte, kann ich selbst mit dem Werk in der Zeit keinen Mehrwert für mich generieren. Diesen potentiell möglichen Mehrwert versuche ich also mit der oben skizzierten Rechnung zu ermitteln und stelle diese potentiellen Kosten als Preis für ein exklusives Nutzungsrecht in Rechnung. Das erscheint mir persönlich irgendwie fair und fundiert.

Handelt es sich hingegen um ein nicht exklusives Nutzungsrecht, ist die Sache etwas anders. Bei Kunden vergebe ich ein solches Recht im Einklang mit dem Auftrag i.d.R. inklusiv dazu (also ohne diese fiktiven Mehrkosten für den Kunden). In meinem Musikarchiv habe ich hingegen - gebe ich zu - mich eher sehr grob an anderen Musiklizenz-Archiven orientiert und die Preise noch mehr gesenkt. Hier habe ich (noch) kein wirklich faireres und fundierteres Konzept der Bepreisung. Es handelt sich immerhin um Zahlen, die mir so unfassbar fern liegen. Theoretisch müsste ich ja prognostizieren, was Kunden für einen Mehrwert mit ihren Projekten, die meine Musik nutzen, haben und ggf. welchen Anteil meine Musik dabei ausmacht. Aber auch das könnte man so weit spinnen, dass man nachher bei Wahrnehmungspsychologie oder so landet. Zudem kommt, dass diese Musikstücke nun schon existieren und mir keine Arbeitszeit mehr kosten (höchstens bürokratischen Aufwand). Die Legitimierung besteht hier für mich in einer Art Anlage. Ich investiere auf eigenes Risiko Arbeitszeit in Werke, die nur eventuell mal Geld abwerfen könnten - so das Prinzip des passiven Einkommens.

Fazit

Insgesamt finde ich diese Thema nach wie vor ein bisschen schwierig, auch nach über 16 Jahren Erfahrung in dem Bereich. Ggf. auch deshalb, weil ich ein Mensch bin, der durchweg für Fairness und Transparenz ist und gerade eine solche Berechnung von Preisen für etwas, was mich im Endeffekt nicht mehr Arbeit kostet, irgendwie sehr surreal auf mich wirkt. Sehr wichtig finde ich es letztendlich, dass man mit den interessierten Personen, die Nutzungsrechte haben wollen oder benötigen, stets in guter Kommunikation ist und die Dinge offen und ehrlich auf den Tisch legt.